Selbstversuch

Danke, Schicksal, sehr lieb von dir

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Eigentlich hatte ich immer gedacht, die Eels wären eine Sache zwischen Mark Oliver Everett und mir. Musste in der Arena feststellen: ist nicht so. Merkwürdigerweise füllt der Waldschrat das Open-Air-Areal bis zum Rand, Thomas Maurer und Florian Scheuba singen bei „Dog Faced Boy“ mit, und Rübezahl junior ist auch gar nicht so versponnen, wie man meinen würde, sondern macht recht launige Ansagen. Ja, nett, du. Trotzdem bin ich mit Everett letztlich lieber allein, ich weiß auch nicht. Es gibt Musik, die man gern im Rudel hört, und solche, die lieber nicht. Eels resortieren für mich in der zweiten Kategorie. Wenn man das Video zu „That Look You Gave That Guy“ gesehen hat, kann man sich Everett irgendwie nicht mehr auf einer Riesenbühne vor 3000 Leuten vorstellen, selbst dann nicht, wenn er augenblicklich gerade live auf der Riesenbühne vor 3000 Leuten spielt. Ich treffe mich mit Everett lieber tête-à-tête im Kopfhörer. Auch wenn ich die gute alte „Souljacker“ am Montag im Rhiz selbstverständlich aufgelegt haben werde. That’s not really funny. Woman driving, man sleeping. Tatsächliche Klassiker der Moderne.

Es liegt eine harte Woche hinter und eine harte Woche vor mir. Das, was ich im Sommer neun Wochen nicht erlebt habe, hat mir das Schicksal, ganz lieb, auf die Seite gelegt und reicht es mir jetzt innerhalb von drei Wochen oder so nach, danke schön, wäre gar nicht nötig gewesen, ich finde zu Hause bleiben, Tee trinken und Cannelloni füllen auch schön. Aber. Wenn es noch Mittwoch ist, während Sie das lesen, können Sie zum Beispiel am Abend ins Nachtasyl kommen und zuschauen, wie es abwärts mit mir geht, weil ich für das gleichnamige Kompendium1) einen Text verfasst habe, den, wie mir jetzt klar geworden ist, meine Kinder niemals lesen dürfen. Meine Eltern auch nicht. Ich werde die gesamte Auflage des Buches aufkaufen und vernichten müssen. Am Donnerstag ist Amadeus. Und am Wochenende. Ja. Und in der Woche darauf wird, das wird hier in einem schamlosen Akt von Eigenmarketing bekanntgegeben, der vierte Band mit diesen Falter-Kolumnen präsentiert2), und das wird vermutlich auch kein Kindergeburtstag.

Da fällt mir ein … Kindergeburtstag. Geschenk besorgen. Danke, dass Sie mich erinnern. Die Vorsätze fürs neue Schuljahr lauten nämlich: alles richtig machen. Nichts vergessen, nichts vergeigen. Eine brave Mutter sein, die am Nachmittag, wenn die Kinder heimkommen, den Computer zuklappt und ihre Kinder mit quality time einwickelt, bis diese um Gnade winseln. Bitte, Mutter, wir brauchen auch einmal unsere Ruhe! Gerne, Kinder, sehr gerne.

1) Ela Angerer (Hg.): Abwärts. Mit Texten von Thomas Glavinic, Christopher Just, Conny Habbel, Christian Schachinger u.a. Czernin, 100 S., € 9,90

2) Doris Knecht: Darf’s sonst noch was sein? Mehr Geschichten vom Leben unter Kindern. Czernin, 180 S., € 15,90. Präsentation: Do, 23.9., 20 Uhr, WerkzeugH


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