Fragen Sie Frau Andrea

Wie kommt die Klammer aus dem Papier?

Kolumnen | aus FALTER 37/10 vom 15.09.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich komme jetzt erst drauf, dass ich als fleißiger Mülltrenner seit Jahrzehnten alles, was ich als Papier erachte, in den Papierkübel schmeiße, ohne zu bedenken, dass Papier nicht immer Papier ist, Magazine mit Leim geheftet und mit Plastik beschichtet sind. Und dann die vielen Metallklammern! Wo landet das alles, wie trennt man das? Ruiniert das den Altpapierbrei in den Altpapiermühlen?

Mit freundlichen Grüßen,

Alberto Balsam, per Facebook-Posting

Bravo Alberto,

Ihrem umweltschützerischen Fleiß dürfen wir es verdanken, dass Kartons und Zeitungen mittlerweile zu 100 Prozent aus Altpapier erzeugt werden. Ihr löbliches Verhalten rettet Wälder, schont die Umwelt und stärkt die Kartonindustrie. Immerhin müssen damit nur noch vier von zehn Bäumen für die Papiererzeugung geschlagen werden und nicht, um daraus Saunaplanken, Küchensessel, Betonverschalungsbretter und Zahnstocher zu erzeugen. Die Zeitung, die Sie gerade in Händen halten, wird nicht aus Baumschnitzelbrei gedrechselt, sondern aus den Druckerzeugnissen, die wir in den Papierkübel werfen.

Ein Schlüsselprozess beim Recycling für grafische Papiere ist die Entfernung der Druckfarbe aus dem Altpapier. Während die Toner von Fotokopien und Offsetdruckfarben relativ leicht entfernt werden können, stören Inkjet-Tinten und Flüssigtoner die Wiederverwertung erheblich. Einzelne Seiten, zu Hause oder im Büro gedruckt, irritieren dabei weniger als Massenwerbesendungen oder digital gedruckte Zeitungen – kurz alles, was unsere Briefkästen verstopft. (Papierfremde Bestandteile wie Heftklammern oder Warenproben werden als größere Partikel übrigens schon vom ersten Sieb der Altpapieraufbereitung zurückgehalten.) Größere Probleme hingegen bereiten selbstklebende Briefkuverts, Etiketten auf Abozeitungen und Aufkleber in Zeitschriften. Die verwendeten Kleber können nicht herausgefiltert werden, ballen sich während des Recyclingprozesses zu kleinen Kügelchen zusammen und verstopfen die Siebe.

Wollten Sie den Herstellern von Recyclingpapieren ihre schwere Arbeit etwas erleichtern, könnten Sie beim Trennen Ihrer Papiere dazu übergehen, selbstklebende Notizzettel, Aufkleber und Briefumschläge in den Sondermüll zu werfen.


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