Meinesgleichen

Von Mistkratzern und Mistkerlen

Falter & Meinung | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

An dem Tag, an dem dieser Falter erscheint, erhält Florian Klenk den Alfred-Worm-Preis. Klenk betätigt sich in einem journalistischen Genre, das lange Zeit verkümmert und nur von einem einzigen Mann betrieben schien, nämlich von Alfred Worm - dem Aufdeckerjournalismus. Heute gibt es erfreulicherweise in Österreich eine ganze Reihe von Aufdeckern, als deren erfolgreichster zweifellos Florian Klenk agiert. Seine Aufdeckungen von Buwog bis Hypo, vom Aktensack, der den Kärntner Landeshauptmann als juristisch unzurechnungsfähig erwies bis zum Tschetschenenmord, um nur einige zu erwähnen, haben österreichische Pressegeschichte geschrieben. Klenk hat den Worm-Preis verdient, wir freuen uns, dass seine Storys im Falter erscheinen, gratulieren und betrachten den Preis auch als Auszeichnung für unser Blatt.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde in den USA die Spezies der Muck-Raker, also der Mistkratzer berühmt, die für die entstehende Massenpresse Skandale aufdeckten und im Kampf der Tycoons für steigende Auflagen sorgten. Längst sind die Aufdecker in die seriösen Magazine abgewandert. Leute, die sich an ihnen reiben (siehe oben) tun so, als hätten die Aufdecker den Mist, den sie aufkratzen, verursacht. Mistkerle. Sie betreiben nicht nur die Gleichsetzung des Boten mit der schlechten Nachricht. Sie möchten jene Leute desavouieren, die an Missständen nicht nur deren Newswert interessiert, sondern deren Beseitigung.


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