Glosse

Der Tod auf offener Bühne hat oft einen faden Beigeschmack

Stadtleben

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Auf offener Bühne hat ihn der Schlag getroffen. Das ist für einen Fernsehkoch, der Österreichs Küche in begleitender Handelsmission in der ganzen Welt repräsentierte, nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Seine Freunde versichern, der Theaternarr Franz Zodl, in der Pension als Amateurschauspieler tätig, habe einen glücklichen Tod gehabt, als er in der Rolle eines Kellners verschied. Dennoch sei ein leiser Zweifel erlaubt. Eines Kellners! Ein Koch wie Zodl, dessen Gesicht jeden Essay über Bonhomie illustrieren könnte, sollte am Herd sterben. In Erfüllung seiner Dienstpflicht, beim Herausbacken des ultimativen goldgelben Wiener Schnitzels, in zweifingerhoch sprudelndem Schmalz glücklicher Schweine. Zodl wurde 67 Jahre alt. Er hat viel Freude in die Welt gebracht. Er ruhe sanft.


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