Am Apparat

Haben Sie selbst schon einmal einen Joint inhaliert, Herr Pilz?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Eine Sekretärin der Grünen hat Cannabis gezüchtet und konsumiert. Dass sich die Krone schockiert zeigt, nimmt nicht wunder. Dass jedoch sogar ihr Chef, der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz, das Verhalten als "völlig inakzeptabel" bezeichnet, irritiert ein wenig.

Herr Pilz, treten die Grünen nicht für die Liberalisierung weicher Drogen ein?

Das sind zwei unterschiedliche Geschichten. Ich erwarte von jedem Mitglied eines Klubs einer gesetzgebenden Körperschaft, dass es sich penibel an die Gesetze hält. Deswegen akzeptiere ich auch keine Verstöße gegen Gesetze, die wir gerne ändern würden. Und zweitens: Würden wir alle entlassen, die ab und zu Haschisch rauchen, würde nicht nur die Jugendarbeitslosigkeit sprunghaft ansteigen. Für mich besteht jedenfalls immer noch ein Unterschied, ob ein Minister einen Eurofighter kauft oder eine Sekretärin einen Joint raucht.

Haben Sie selbst einmal gekifft?

In meiner Schulzeit, ja. Ich bin nach kurzer Zeit bei Bier und Wein gelandet. Dauerhaft, wie sich gezeigt hat.

Stoned zu sein ist nichts für Sie?

Ich finde Wein besser, aber das ist Geschmackssache. Ich wünsche mir eine viel härtere Verfolgung der großen Drogendealer und der Banken, die ihr Geld waschen. Wer ab und zu was raucht, ist weder ein Fall für die Polizei noch fürs Parlament.

Wie sollte sich ein Politiker verhalten, wenn in der Runde ein Joint rumgeht?

Ich würde sagen: Bitte nicht in meiner Gegenwart. Aber was ist das für ein Land, in dem der Joint einer Sekretärin das Problem ist? Wenn Sie sich die Korruption, die Veruntreuung und den täglichen Diebstahl an Steuergeldern in Österreich ansehen, sind wir bald die einzige Partei für Recht und Ordnung. In Wien kandidieren vier Parteien mit langen Fingern und eine einzige mit sauberen Händen.

... und einem grünen Daumen ...

Wir werden wegen eines Bagatellvergehens jedenfalls keine alleinerziehende Mutter auf die Straße setzen.

Interview: Stefan Apfl


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