Der Gasthäftling

Politik | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Ein 16-jähriger Asylwerber aus Afghanistan stirbt in der Schubhaft. Sein Fall zeigt, wie eine voreingenommene Bürokratie im Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen versagt

Bericht: Nina Horaczek

Seine Odyssee endete in Niederösterreich. Dort wurde Reza Haidari im Juli begraben. Kein Familienmitglied erwies ihm die letzte Ehre. Denn Reza Haidari war ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling.

Die Gesetze sehen vor, dass solche Asylwerber unter besonderem Schutz stehen sollten. Doch in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni hatte sich der junge Afghane im Schubhaftgefängnis am Hernalser Gürtel mit einem Leintuch am Fenstergitter aus Verzweiflung und wohl auch aus Scham erhängt. Reza Haidari erzählte den Behörden davon, in einer Asylunterkunft in Schweden, wo er untergekommen war, von einem Mann missbraucht worden zu sein (siehe Falter 37/10).

Wieso hatte sich niemand für diesen Burschen verantwortlich gefühlt? Wieso nahm niemand seine Notlage wahr? Wer Haidaris Odyssee rekonstruiert,


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