Mediaforschung

Herr Ohaninan, wie tricksen Sie den Sensenmann aus?

Nachfragekolumne

Medien | Julia Prummer | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Den Tod will niemand als Beifahrer haben. Verständlich, dass der Autofahrer in der neuen Mercedes-Werbung erschrickt, als der Sensenmann plötzlich neben ihm sitzt. Dieser plant das frühzeitige Ableben des ahnungslosen Lenkers: Mitten auf der deutschen Landstraße räumt ein Bagger gerade einen Haufen Baumstämme weg. Der Wagen düst auf die Stämme zu, der Sensenmann blickt und sagt noch schnell: "Sorry". Doch seine Rechnung geht nicht auf. Dank des neuen "BAS Plus Bremsassistenten", für den der Spot wirbt, kann der Fahrer den Mercedes rechtzeitig stoppen. Der Mann blickt darauf zum verdatterten Sensenmann und sagt triumphierend: "Sorry." Noch muss er ihn nicht ins Jenseits begleiten.

"Mercedes baut die sichersten Autos der Welt. Unser Ziel ist, diese Information weiterzugeben. Moderne Technologie kann im Notfall einen Unfall vermeiden - passieren kann natürlich trotzdem immer was", sagt Michael Ohaninan, Kreativ-Direktor der deutschen Agentur Jung von Matt/Neckar, die sich den Spot ausgedacht hat.

Will dieser Spot suggerieren, dass nur die Besitzer eines teuren Mercedes gefährliche Verkehrssituationen überleben? Nein, meint der Werber, mit Angst wolle er nicht arbeiten: "Hier wird ein Tabuthema mit dem 'Sorry' in eine nette Geschichte verpackt, die den Spot charmant macht. Wir werben nicht für eine Überlebensgarantie, sondern für ein intelligentes Sicherheitsfeature."

Über eine Million Klicks auf YouTube und der AutoBild-Publikumspreis hätten laut Ohanian bewiesen, dass der Spot richtig ankommt. "Im alltäglichen Leben machen wir ja auch Witze über den Tod. So heißt es zum Beispiel 'Dem Tod von der Schippe springen' oder 'Wer zuletzt lacht, lacht am besten'. Auf diesen Witz zielt der Mercedes-Spot ab."


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