Literatur als Beweisstück und Anklageschrift

Feuilleton | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Der 1977 ermordete Rodolfo Walsh hätte der Truman Capote Argentiniens werden können, wollte aber mehr

Würdigung: Karl-Markus Gauss

Am Abend des 9. Juni 1956 versammelten sich zwölf Männer in einem Haus in der Vorstadt von Buenos Aires, um Karten zu spielen und sich im Radio die Übertragung eines Boxkampfes anzuhören. Ein paar von ihnen waren miteinander befreundet, andere fast zufällig in diese Gesellschaft geraten. Nur zwei oder drei wussten, dass in einer weit entfernten Kaserne im Land ein Aufstand gegen die Junta um den General Aramburu begonnen hatte.

Von Beruf waren sie Eisenbahner, Elektriker, Handelsvertreter oder Schuhverkäufer, und wiewohl keiner von ihnen mit dem Regime der Generäle sympathisierte, waren sie nie und nimmer zu einem subversiven Treffen erschienen, auf dem der politische Umsturz verhandelt oder gar der gewaltsame Aufstand geplant werden sollte. Kurz nachdem der argentinische Titelverteidiger seinen Herausforderer in der dritten Runde k.o. geschlagen hatte,


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