Nüchtern betrachtet

Saisonale Gemütslage in diversen Pratern

Feuilleton | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Das Aufsuchen von Gastgärten gewinnt in diesen Tagen einen ganz eigenen Reiz, denn die Chancen, dass man bei prächtigem, aber mittlerweile eben auch schon recht frischem Wetter mehr oder weniger allein dort sitzt, stehen ganz gut. Das hat zugleich was Melancholisches und was Anheimelndes: Die Tage werden kürzer und kälter und die Menschen weniger, aber dafür sitzt man unter seinesgleichen - lauter hartgesottene Gastgartenliebhaber und Frühherbstanbeter. Diese Illusion wird durch den Umstand befördert, dass die wenig Verbliebenen weit genug verstreut sind, sodass man nicht zuhören muss, was sie für einen Schwachsinn zusammenschwatzen. Wenn man Glück hat, vergisst das Personal auch, die Stimmungsmusik aufzudrehen - für die paar Depressiven zahlt sich's eh nicht aus. Sogar in den Himmel oder die schütter werdenden Baumkronen kann man jetzt blicken, weil angesichts der nachlassenden Sonneneinstrahlung


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