Prost!

Achtung, Gefahr! Der Sturm von der Rabiatperle hat jetzt Saison

Lexikon der Getränke. Diese Woche:

Stadtleben | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Der seit 1976 unter Gebietsschutz stehende Roséwein Schilcher, der zu 100 Prozent aus der Traube Blauer Wildbacher gekeltert werden muss, hat nicht unbedingt den Ruf, ein lieblicher Tropfen zu sein. Seine Farbe kann von schillerndem Blassrosa bis Rubinrot reichen, der Geschmack wird bislang als fruchtig, feinsäuerlich bis resch, aber harmonisch beschrieben.

Seit vergangener Woche hat also der Sturm aus dieser Traube Saison. Jetzt heißt es zugreifen, Damen und Herren, solange der Vorrat reicht, da diese "stürmische Zeit" nicht länger als vier bis fünf Wochen dauert. Sturm wird grundsätzlich aus früh reifenden Trauben hergestellt. Die in dem Saft enthaltene Hefe ist für den Gärungsprozess verantwortlich und auch für den typisch trüben Look, da der Sturm unfiltriert auf den Markt kommt.

Und der Schilchersturm ist hingegen ein wahrlich prächtiger Tropfen. Die Farbe ist Himbeerrot, der Geruch erinnert an leicht karamellisierten Zucker. Ein Schluck von dem nicht für einen Pappenstiel zu habenden Sauser offenbart ein kleines, so lange entbehrtes Geheimnis. Fruchtig-süß ist diese frühherbstliche Art von Schilcher, prickelnd auf der Zunge. Wenn man einen kleinen Moment wartet, dann tut sich dieser Geschmack von Schwarzen Johannisbeeren im Mund auf, der holzig und süß zugleich in den Kopf steigt und einem ein Lächeln entlockt.

Wunderbar! Nur, das erste Mal tut es noch weh, wenn's in der Schilcherflasche (und im Kopf) stürmt. ms


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