Ins Mark

Belebt die Sinne

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Zwei bemerkenswerte Szenen waren in der ORF-Spitzenkandidaten-Runde zu beobachten: Landeshauptmann Franz Voves streckt KPÖ-Frontfrau Claudia Klimt-Weithaler die Hände entgegen und verspricht, sie beim Thema Mindestlohn zu unterstützen. Sein Vize Hermann Schützenhöfer predigt erneuerbare Energien, als referiere er das Wahlprogramm der Grünen, sodass deren Spitzenkandidat Werner Kogler fragt: "Wollen S' den Grünen beitreten?" Zwei rare Annäherungen. In Wien liebäugeln die Großen zumindest ab und zu mit Pakten mit den Kleinen, im steirischen Proporz aber sitzen die zwei Kolosse sowieso immer zusammen in der Regierung - und fantasieren nicht einmal über eine andere Paarbeziehung.

Im Land Oppositioneller zu sein, ist wirklich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Die Kleinen müssen zu dritt oder viert alle Themen abdecken, ernst genommen werden sie aber kaum, auch nicht von den Medien. Das erschwert es wieder, bei Wahlen groß abzuräumen. Zuletzt war an Stimmen für die Kleinen sogar weniger übrig als vor 15 Jahren, rund achtzig Prozent teilten sich VP und SP auf.

Dabei zeigt Schwarz-Grün in Graz und Oberösterreich, dass eine neue Konstellation beleben und auf beide Glanz abwerfen kann. Ergattert keine kleine Partei einen Regierungssitz, könnten die Großen für einzelne Themen einen koalitionsfreien Raum ausmachen und dort freie Mehrheiten suchen. Dann soll Schützenhöfer seine Green Jobs mit den Grünen machen oder Voves mit den Dunkelroten die Mindestsicherung. Und nicht wieder aufeinanderkleben und nach drei Monaten saure Gesichter für die nächsten fünf Jahre aufsetzen. Das kann wirklich keiner mehr sehen.

Gerlinde Pölsler leitet das Ressort Stadtleben im Steiermark-Falter


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