Selbstversuch

Kann man machen, muss man aber nicht

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Unlängst traf ich auf der Straße eine alte Bekannte, die ich lange nicht gesehen hatte. Na, halloooo, wie geht's, wie geht's, danke, danke, jetzt eh wieder gut. Aha, warum. Ja, sie hat sich getrennt. Ach, nein, wirklich und weshalb? Na, rundheraus gesagt: wegen dir.

Da war ich ein bisschen überrascht. Weil nicht, wie Sie jetzt glauben. Ich kannte den Kerl gar nicht, nur einmal aus der Ferne gesehen. Aber die Bekannte hatte mein letztes oder vorletztes Buch gelesen und bei einer Kolumne (ich glaube, es ging darum, dass die Mütter nicht selten alles machen müssen, den Hauptteil des Haushaltsbudgets verdienen, die Wäsche waschen, mit dem Kind zum Arzt gehen und zum Elternsprechtag und dann auch noch am Spielplatz sitzen, um den Kindsvater nicht zu entmannen) gedacht: Scheiße, genauso ist es bei mir. Und hatte daraufhin einen ordentlichen Streit mit dem Mann angefangen. Und der Streit führte unmittelbar zur Trennung, und zwar nach sieben Jahren Beziehung. Und die Bekannte sagte, sie ist jetzt frisch verliebt und wirklich froh, dass sie den anderen los ist, aber es sei auch ganz gut gewesen, dass wir uns die letzten zwei Jahre nicht getroffen haben. Das finde ich auch.

Und ich finde weiters: Dergleichen kann man nach der Lektüre meiner Bücher natürlich machen, muss man aber nicht. Ich sage das, weil ich für allfällige Nebenwirkungen meines neuen Kolumnen-Bandes nicht zur Verantwortung gezogen werden will, gell. (Das Buch heißt "Darf's sonst noch was sein?" und ist soeben bei Czernin erschienen.)

Wobei die Gefahr, dass meine Texte als Ratgeberliteratur missverstanden werden, normalerweise extrem gering ist. Was einerseits schade ist, weil damit ließe sich, wie mir mein Verleger periodisch versichert, wirklich schönes Gerschtl machen. Andererseits ist es gut, weil es mir eine gewisse Faktenuntreue und einen sehr lockeren Umgang mit der Wahrheit erlaubt. Zum Beispiel ist die Sache mit dem Verleger frei erfunden, so einen Unsinn würde der natürlich nie sagen.

Sie hätten ihn aber erleben sollen, wie ich kürzlich, bei der "Abwärts"-Präsentation zu ihm sagte: Heast, lieber Verleger, diesmal will ich Werbung für mein Buch. Zuerst hat er nach links und nach rechts geschaut, ob ich vielleicht jemand anderen meine. Dann: brüllendes Gelächter, wie ich es sonst nur von der Anna und der Polly kenne. Turbo-Gewieher und Brutal-Schenkelgeklopfe, dass die Leute sich rundherum hergedreht haben, ob bei uns alles in Ordnung ist. Das ist auch nicht wahr. In Wirklichkeit hat er mich nur angeschaut, als sei ich ein bissl juchee, hat mir einen großen Spritzer bestellt und gesagt: Eine Party gibt's, wie immer, sonst nix, cheers! Und danach wurde es wieder so, dass ich sagen muss: Bitte machen Sie das daheim auf keinen Fall nach. Aber lustig war's, das schon.


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