Kritik

Bei mir bist du schön: Neil LaBute im Kasino

Lexikon | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Glaubt man Neil LaBute, dann sollte man sich vor der Liebe hüten. In den Stücken des US-Dramatikers sind Beziehungen nichts, was man am eigenen Leib erfahren möchte. LaButes Dramen sind Menschenexperimente; der Autor bringt seine Figuren in dumme Situationen - und sieht dann interessiert dabei zu, wie sie sich zerfleischen. In seinem neuen Stück "lieber schön" etwa genügt ein falsches Wort, um das Drama auszulösen.

Was ist geschehen? Craig hat das Gesicht seiner Freundin Steph im Gespräch mit seinem Kumpel Kent als "normal" beschrieben. Mehr hat der arme Mann nicht gebraucht: Steph macht Craig eine Szene wie in einer griechischen Tragödie und verlässt dann den gemeinsamen Haushalt. Eine verrückte Überreaktion, die allerdings einen durchaus vernünftigen Kern hat: Findet man den oder die normalerweise nicht schön, die man liebt? Ist es also Verrat, wenn man es nicht tut? (Der Originaltitel "reasons to be pretty" bringt das Dilemma schöner auf den Punkt, lässt sich aber schwer übersetzen.)

Im Kasino findet Regisseurin Alexandra Liedtke die Balance zwischen well-made play und Laborcharakter; zur atmosphärischen Verstärkung sind zwei Livemusiker (Karsten Riedel und der österreichische Singer/Songwriter Bernhard Moshammer aka Börn) anwesend. Lukas Gregorowicz (Craig) ist ein wunderbar entspannter Antiheld, während Christiane von Poelnitz (Steph) als Furie fast schon zu gut besetzt ist - und es dann manchmal auch übertreibt. Umgekehrt verhält es sich beim zweiten Paar: Hier neigt Oliver Masucci (als Supermacho Kent) zum Overacting, Dorothee Hartinger (als dessen Freundin) ist wirklich komisch. Eines noch: Sollte Ihre Begleitung Sie nach dem Theaterbesuch fragen, wie Sie sein/ihr Gesicht finden, machen Sie besser keine blöden Witze. Sagen Sie lieber schön. WK Burgtheater-Kasino, Di 20.00


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