Tipp Klassik

Von Bach bis Lachenmann: Spot On Deutschland

Lexikon | aus FALTER 38/10 vom 22.09.2010

Vierhundert Kilometer zu Fuß - der musikalische Ruhm der Hanse strahlte weit, als ihm 1705 auch J.S. Bach folgte und von Arnstadt nach Lübeck marschierte, ins Zentrum der gefeierten Schule des Norddeutschen Barock. Eine Reise in diese Blütezeit an Deutschlands Küsten unternimmt nun die Hamburger Ratsmusik: Das Ensemble, das auf eine (freilich nicht ununterbrochene) 500-jährige Geschichte blickt, zeigt mit Werken von Abel, Händel und Bach, warum Hamburg einst als "bester Pflantzgarten der Tonkunst" beizeichnet wurde.

Dieses Konzert findet statt im Rahmen des Festivals Spot On Deutschland, mit dem das Konzerthaus ein Wochenende lang in allen (offenen) Sälen die ganze Bandbreite des deutschen Musiklebens in den Fokus nimmt, von Jazz über Ost-Rock bis zur Blasmusik (siehe S. 2). Und natürlich auch die Klassik. Das Ensemble Recherche führt ins Berlin der Goldenen 20er, das nicht nur für Shimmy, Fox und Charleston berühmt-berüchtigt war, sondern auch auf die Komponisten der Moderne eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübte. Christina Landshammer (Sopran) und Maximilian Schmitt (Tenor) widmen sich in Liedern und Duetten der deutschen Romantik. Der Pianist Herbert Schuch greift den Ball auf und spielt ihn, mit Musik von Helmut Lachenmann, in die Gegenwart weiter.

Überhaupt ist Lachenmann, dem wichtigsten Vertreter der deutschen Avantgarde, ein kleiner Schwerpunkt gewidmet: Der eloquente Musikdenker nimmt an einer Diskussionsrunde teil, ist in einer filmischen Doppelconférence mit Wolfgang Rihm zu erleben, und die Bamberger Symphoniker spielen seine "Tanzsuite mit Deutschlandlied", ein scharfsinniges Versteckspiel mit Walzer, Marsch und Polka - und mit Haydns altem "Kaiserlied", das seit 1922 als deutsche Nationalhymne dient. CF

Konzerthaus, Sa ab 17.30, So ab 12.00


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