Bissechte Fotos und kubistische Porträts

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Die elfte Ausgabe der Langen Nacht der Museen

Besucherzahlen in Superlativen: Die Träume von Museumsdirektoren werden in der "Langen Nacht der Museen" wahr. Ticketverkäufe im sechsstelligen Bereich gehören im elften Jahr seit der Erfindung des österreichweiten Megaevents durch den ORF zur Selbstverständlichkeit. Um nur 13 Euro (ermäßigt 11 Euro) können zwischen 18 und 1 Uhr früh 105 Wiener Museen und museale Einrichtungen besucht werden; Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und Shuttlebusse inklusive. Der Programmfolder schlägt fünf Routen vor, die aber nicht thematisch, sondern nach lokaler Nähe funktionieren.

Wer will sich im Stil von Picasso zeichnen lassen? Die Albertina verwandelt sich mit der Hilfe von Kunststudenten in Klein-Montmartre, wo Besucherporträts blau, rosa oder kubistisch ausfallen können. Für einen Auftritt im Bank-Austria-Kunstforum dürfen die Fans von Frida Kahlo die Augenbrauen dunkel schminken: Eine Prominenten-Jury mit Thomas Schäfer-Elmayer vergibt die Auszeichnung "Kahlo Look-Alike 2010". Rustikale mexikanische Musik erklingt im KunstHausWien, wenn bei der Ausstellung der Fotografin Tina Modotti echte Mariachi aufspielen. Allen hochkulturellen Snobismus lässt auch das Belvedere sausen, wo unter dem Motto "Biss vor dem Kuss" ein Vampir für Fototermine vor Klimts berühmtestem Gemälde bereit steht.

Wer aber ohnehin öfters als einmal im Jahr ins Museum geht, sollte die Raritäten abklappern. Morbides Wien bietet der "Pompe funèbre" im Bestattungsmuseum ebenso wie das Josephinum mit seinen anatomischen Wachsskulpturen oder das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch. Kulinarische Schwerpunkte, zum Beispiel im Marzipan- und Demelmuseum oder in der K. u. K. Weinschatzkammer, bieten sich ebenso an wie stilgeschichtliche Exkursionen, etwa zum Kaiser-Franz-Joseph-Hutmuseum.


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