Performance Festival

Eine unterirdische Stadt rund um die Praterstraße

Lexikon | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Die Praterstraße verwandelt sich für sieben Tage in den Hauptstollen eines kroatischen Bergwerks. Eine spektakuläre Metamorphose, von der man mit freiem Auge allerdings kaum etwas bemerken wird. Verwirrt? Okay, der Reihe nach: Der Wiener Regisseur Thomas Jelinek (Nomad Theatre) veranstaltet entlang der Praterstraße eine Woche lang das urbanistische Performance-Festival Underground City 21. Dieses ist Teil eines gleichnamigen EU-Projekts, das vor zwei Jahren im kroatischen Städtchen Labin gestartet wurde. Und dort wiederum befindet sich ein (inzwischen stillgelegtes) Bergwerk, in dem die Arbeiter 1921 den Aufstand gegen Mussolinis Faschisten wagten und eine (Untergrund-)Republik gründeten (die nach einem Monat vom Militär zerschlagen wurde).

An diese Geschichte knüpft das von der kroatischen Künstlergruppe Labin Art Express initiierte Projekt Underground City 21 an. Die Topografie der unterirdischen Bergwerksrepublik ist unter anderem die Basis für eine virtuelle Undergrundstadt, die im Netz entsteht; in Wien etwa wird der Bauplan des riesigen Bergwerks auf die Leopoldstadt übertragen, die Praterstraße entspricht dem Hauptstollen.

Zentrum des Festivals ist das Theater Nestroyhof Hamakom. Hier gibt es Installationen zu sehen, hier finden Performances (ab 20.30 Uhr) statt. Vor allem aber ist der Nestroyhof Ausgangspunkt für Touren durch die Underground City; ab 19 Uhr führen Guides die Besucher 90 Minuten lang zu verschiedenen Orten entlang der Praterstraße. "Die Guides sind das theatrale Moment, man kann ihnen nicht wirklich vertrauen", erklärt Festivalleiter Thomas Jelinek. "Es geht nicht um ein Stationentheater! Das Publikum muss sich in ein Kommunikationsnetz begeben und seine eigenen Wege suchen." Glück auf! WK

Theater Nestroyhof Hamakom, 4. bis 10.10.


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