Neu im Kino

Austreiben, aufzeichnen, faken: "The Last Exorcism"

Lexikon | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Blair und Blair gesellt sich gern: "The Last Exorcism" ist die Schnittmenge aus verwackeltem Fake-Doku-Stil Marke "Blair Witch Project" und satanischen Spasmen, wie sie Linda Blair in "Der Exorzist" vorgeturnt hat. Ein Shockumentary also - ein Mockumentary, das uns das mocking austreiben will, so wie der Protagonist des Film bald zur (Ehr-)Furcht bekehrt wird: Als Prediger und Exorzist ist auch er ein Fake; seines profitablen Jobs müde, will er seinen Schwindel aufdecken und einem Filmteam anhand des Falls eines besessenen Bauernmädchens vorführen, wie seine suggestiven Tricks funktionieren. Die Dreharbeiten führen in ein Südstaatenamerika weißer Armut und blanken Aberglaubens - an dem, so scheint es bald, unerwartet viel dran ist. Reizvoll flicht Daniel Stamms Inszenierung Demutsethos und Darbietungsform des Horrors ineinander und spielt damit, dass Wissen nicht vor dem Glauben feit und auch das Durchschauen noch Teil des Tricks ist. Doch wie so oft im Horrorfilm ist am Ende alles anders als anfangs ausgemacht: Gruselminimalismus weicht plumpem Panikbombast mit unnötiger Musik- und Sounduntermalung. Schade, Satan, better luck next time. DR

Ab Do in den Kinos


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