Kommentar

Schluss mit Seniorenbashing: Lasst doch die Oma in Ruhe!

Pensionen

Falter & Meinung | Julia Ortner | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Sie fressen uns die Haare vom Kopf, sie leben gemütlich von unserem Steuergeld, und bald werden sie auch noch über uns bestimmen - die Pensionisten, 2030 die größte Wählergruppe im Land. Also machte der Politologe Peter Hajek einen interessanten Vorschlag, um das gefährliche Regime der grauen Panther zu verhindern: Das Wahlrecht solle ab dem Pensionsantrittsalter nur noch für zehn Jahre gelten und dann verfallen.

Eine Spitzenidee. Lassen wir jetzt einmal außer Acht, dass sie im Rechtsstaat nicht durchführbar ist - wie wäre es denn damit, klein gewachsenen Männern mit schütterem Haar und Mundgeruch das Wahlrecht zu entziehen? Doch Hajeks Vorstoß zeigt deutlich, dass Gerontophobie und Seniorenbashing mittlerweile auch in den sogenannten Expertenkreisen einreißen. In kampagnenartigen Artikeln über die "Rentnerdiktatur" (Stern) oder "Die graue Gefahr - Alt, aber gierig" (Profil) hat man das ja schon vorgemacht.

Natürlich gibt es Probleme im Pensionsbereich: Immer mehr Alte leben von den Beiträgen der Jungen, sie werden immer älter und beziehen jahrzehntelang Pension; nach wie vor gehen viel zu viele vor dem regulären Pensionsalter von 65 Jahren in Pension; die Beamtenpensionen sind in manchen Bundesländern noch nicht grundlegend reformiert worden. All das mit Seniorenvertretern nüchtern zu diskutieren, ist notwendig. Polemische Attacken bringen hingegen nichts - außer dass sich der Obersenior Andreas Khol aufpudeln kann.

Wer sich gerne an den teuren Alten abreagiert, sollte sich einmal anschauen, mit wie viel Geld ein Großteil von ihnen auskommen muss: Die durchschnittliche Pensionshöhe in Österreich beträgt 964 Euro brutto.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige