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Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Wenn Studis Geschichte schreiben

Im Wintersemester 1998/1999 sahen sich die Studenten Maria Fritsche, Thomas Walter und Hannes Metzler in einem Proseminar von Professor Walter Manoschek an der Universität Wien an, wie Deserteure der Wehrmacht nach 1945 behandelt wurden. Aus der Proseminararbeit wurde im Jahr 2000 ein Forschungsprojekt, finanziert vom Wissenschafts- und vom Justizministerium. Mittlerweile ist Fritsche Historikerin in Washington, Walter Staatsanwalt in Vorarlberg und Metzler arbeitet als Referent der Grünen im Parlament. Das Thema Deserteure hat das Grüppchen, zu dem bald weitere Jungwissenschaftler stießen, aber nicht mehr losgelassen. Jahrelang kämpften sie dafür, dass endlich alle Opfer des Nationalsozialismus rehabilitiert werden. Voriges Jahr holten sie die deutsche Wanderausstellung "Was damals Recht war" über die Opfer der NS-Militärjustiz nach Wien und erweiterten sie um österreichische Fälle. Nun ist der Katalog zur Ausstellung erschienen, mit Porträts von Opfern der NS-Justiz, aber auch von Tätern. So weist der Politologe Thomas Geldmacher nach, dass Justizminister Otto Tschadek (SPÖ) vor 1945 ein sogenannter "Blutrichter" war. Die Opfer der NS-Militärjustiz wurden übrigens 2009 rehabilitiert - nicht zuletzt aufgrund des Engagements einstiger Studenten.

Geldmacher, Koch, Metzler, Rettl (Hg): "Da machen wir nicht mehr mit ..." Österreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht. Mandelbaum, 236 S., ? 24,90


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