Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Journalisten lieben Rollenspiele. Ich großer Kerl verkleide mich als Burkafrau und schau, wie es einem da so geht, das ist eine heiße Geschichte! Solche Storys sind meist peinlich - denn die Realität kann man auf diese Art nicht erfassen. Doch noch jenseitiger ist jetzt das TV-Experiment, das Johannes B. Kerner gestartet hat (Do, Sat 1, 22.35 Uhr). Der gefallene Talkstar versucht alles, um an seine alten ZDF-Quoten anzuschließen. Er lässt also eine gutsituierte Bürgerfamilie einen Monat lang von Sozialhilfe leben: der große Hartz-IV-Selbsttest. Die netten Leute müssen auf ein paar Räume ihrer 155-Quadratmeter-Wohnung verzichten, genauso wie auf guten Wein, Fitnessstudio, Saxofonstunden, Essengehen, Freundeeinladen - aber nur für vier Wochen, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Da ist die Familie erleichtert, ein Wahnsinn, so zu leben! Diese Show ist degoutant und dümmlich. Wer ehrlich zeigen will, wie sozial schwache Menschen leben, sollte mit den Betroffenen reden - und nicht Armsein spielen.


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