Enthusiasmuskolumne

Zwei Schweine im Weltraum

Diesmal: Die besten Comichelden der Welt der Woche

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Man kann den Comiczeichner und Alleinunterhalter Philip Tägert nicht genug loben und jeden nur bedauern, der Berlin verlassen hat, ohne irgendetwas von Fil mitbekommen zu haben. Fils Fans wissen, dass er selbst weiß, wie dreist es ist, sich mit solchen Voraussetzungen auf die Bühne zu stellen, wo er als Parodie eines klassischen, öligen Alleinunterhalters rüberkommt.

Und dennoch sind Fils Timing, seine Geistesgegenwart und seine Pointensicherheit nahezu vollkommen, gelingt es ihm stets, Professionalismus und Dilettantismus so zu verbinden, dass kultiviertes Chaos entsteht.

In der Stadtzeitung Zitty zeichnet Fil regelmäßig eine Seite voll. Seine Helden sind die beiden berlinernden Schweine Dieter Kolenda (Didi) und Andreas Stullkowski (Stulle) aus dem Märkischen Viertel, einer Trabantenstadt im Berliner Bezirk Reinickendorf, zwei Vertreter des sozialen Bodensatzes. Didi ist dumm, dick und angeberisch, und der Gummizug seiner abgetragenen Jogginghose ist weiter als sein geistiger Horizont. Stulle hingegen ist klein (oft nur auf Kniehöhe Didis) und schüchtern, und er bewundert Didi, dem er in den ausufernden Wortgefechten regelmäßig unterliegt - manchmal nur scheinbar.

Hauptsächlich in Berlin angesiedelt, wechselt die Handlung immer wieder zu anderen Orten wie dem Nordpol, Sachsen-Anhalt, dem Weltraum oder der Hölle. Regelmäßig auftretende Charaktere sind ein Psychotherapeut namens "Der Rainer" (seit 20 Jahren ohne staatliche Fördermittel), Frau Stullkowski (Stulles Mutter) und Gott (Stulles unehelicher Vater). Von Didi & Stulle gibt's acht Bände, jeder aberwitzig wuchernd - wie von James Joyce und Robert Crumb ausgedacht, wenn die beiden witzig wären.

Titel wie "Der Plan des Gott" und "Getötet vom Tod" zeigen, dass es um nichts weniger als das große Ganze geht. Dieser Tage erscheint der neunte Band: "Im Auftrag der Kanzlerin" sollte in jedem gutsortierten Buchregal stehen - irgendwo zwischen David, Foster und Wallace.


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