Etwas mehr geht schon noch

Feuilleton | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Entscheidend ist nicht, wen wir wählen, sondern dass wir politisch den Arsch hochkriegen

Besinnungsaufsatz: Klaus Nüchtern

Wien ist eine wunderbare Stadt." Ich bekomme diesen Satz mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu hören, meist aus dem Munde von Vertreterinnen deutscher Verlage, die wieder einmal in der Redaktion vorbeischauen. Ich habe dem nicht viel zu entgegnen und sage das meist auch: "Dagegen kann man nicht viel sagen ?" Hier stocke ich kurz, denn schon befinde ich mich im Wien-Gutfind-Dilemma.

Das Wien-Gutfind-Dilemma ist so etwas wie eine inverse Doppelmühle: Findet man Wien nicht gut, ist man - typisch Wiener! - einer, der immer was zu meckern hat; findet man Wien einfach gut, umgibt einen schnell die Aura des selbstzufriedenen Spießers, der seine Augen vor den offenkundigen Problemen verschließt, denn welche Großstadt hätte diese nicht.

Dem Kritik-Klischee entsprechend ist Wien zu gemütlich, kontrastarm und nicht tough genug: "Für ältere und hochgebildete Menschen hat


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