Ins Mark

Warum sie nicht mehr wählen

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Beide großen Parteien feierten sich am Sonntag als Sieger. Allerdings haben beide Stimmen verloren, die SPÖ einmal mehr in ihren Hochburgen, die Volkspartei auch in ländlichen Regionen. Noch nie zuvor war zudem die Wahlbeteiligung bei steirischen Landtagswahlen so gering. Die Nichtwähler, hieß es in den Kommentaren zur Wahl, seien zur stärksten Partei geworden. Das Schuldbewusstsein hält sich allerdings in Grenzen. Er arbeite Tag und Nacht, meinte etwa VP-Spitzenkandidat Hermann Schützenhöfer. Er könne nichts dafür, wenn die Wähler trotzdem nicht zur Wahl gingen. Dabei wäre es an der Zeit, die Fehler auch bei sich selbst zu suchen: Die Landesregierung bot in den vergangenen Jahren ein teils bizarres Bild. Die beiden Großen regierten gemeinsam und doch gegeneinander. Das Proporzsystem kettet sie in der Regierung aneinander, ob nun SPÖ oder ÖVP den Landeshauptmann stellt, ist vielen Wählern mittlerweile egal. Streit beherrschte die Politik, Themen gingen oft unter, andere Themen waren umstritten, obwohl sie gar nicht in der Landeskompetenz lagen. Die großen Parteien haben es - und das ist vermutlich ihr größtes Versäumnis - offenbar nicht geschafft, die Wähler von der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zu überzeugen.

Also machten viele ihr Kreuz bei der FPÖ oder gingen gar nicht zur Wahl. In Graz war's besonders arg: Nur noch knapp mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten machte von ihrem Recht Gebrauch. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) scheint nun zumindest den Ernst der Lage erkannt zu haben. "Da sind alle angesprochen", sagt er. Vielleicht will er seine Erkenntnisse beizeiten mit seinen Kollegen im Land teilen.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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