Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Wo doch der Wille Berge versetzen kann

Graz will Montreal werden, Berlin, Buenos Aires und Shenzhen.

Der letzte Generalintellektuelle wollte wählen gehen, und er wollte das Richtige wählen. Allein: Er konnte irgendwie nicht. Er ging dann spazieren in den Stadtpark und zur Wahlgala und dann Fußball schauen, weil sein Wille nicht stark genug war. Und als dann alles verloren war, fragte er sich, ob er nicht wie Sturm Graz zu viel gewollt hatte. Im Endeffekt aber ist es doch so, dass man spürt, dass die anderen den Sieg ein bisschen mehr gewollt hatten, weil: Der Wille versetzt Berge, wie man am berühmtesten Steirer der Welt sehen kann, ein Triumph des Willens war sein Leben, so liest der letzte Intellektuelle in der Zeitung, während er im Admiral Sportwetten sitzt und einen Riesentoast isst, obwohl er eigentlich gar nicht will. Hätte er weniger wollen in seinem Leben, hätte er vielleicht mehr Erfolgserlebnisse, denn, auch das lernt er aus der Kleinen Zeitung, es zählt der Wille nicht allein fürs Werk. Deswegen funktioniert das mit den autofreien Tagen auch nicht in Graz. Aber Auto hat der letzte Generalintellektuelle eh keines mehr, und wenn er jetzt noch weg will, muss er es sich von der Ex ausborgen, aber die sagt: Jo, i wüll a vü!

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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