Fragen Sie Frau Andrea

Wo, bitte, geht's hier zur U5?

Kolumnen | aus FALTER 39/10 vom 29.09.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

als nicht in Wien Geborener schätze ich die schnelle Mobilität der U-Bahn-Linien. Kurz und bündig meine Frage: Es gibt eine U1, eine U2, eine U3, eine U4 und eine U6. Wieso gibt es keine U5? Über eine Antwort freut sich

Christoph Patak,

Wien Penzing, per Elektropost

Lieber Christoph,

die verwirrende Geschichte der Linie U5 würde Bibliotheken füllen, eine lückenlose Darstellung den von Ihnen geschätzten Kommunikationsstil der Kürze und Bündigkeit sprengen. Wir wollen dennoch den Versuch einer Zusammenfassung wagen. Im Zuge der U-Bahn-Planungen gab es immer wieder Pläne für eine Linie U5. Aus verschiedensten, meist finanziellen Gründen wurden sie immer wieder zurückgestellt. Zu einer Ausführung kam es nicht. Die ursprünglich vorgeschlagene Streckenführung der Linie U5 hätte Hernals, Alser Straße, Schottenring, Taborstraße, Praterstern und Ausstellungsstraße mit dem Stadion verbunden. Als klar war, dass die Linie nicht in vollem Ausmaß realisierbar war, wurde umgeplant: Der Abschnitt Praterstern-Stadlauer Brücke wurde in einen Ast der U1 verwandelt, der Abschnitt Schottenring-Praterstern zu den Akten gelegt. Die restliche Strecke (Schottenring-Hernals) sollte als Ast der Linie U4 mit der geheimnisvollen Bezeichnung U4A betrieben werden. Die dadurch freiwerdende Liniennummer U5 fiel daraufhin an die Streckenführung Längenfeldgasse-Gürtel-Südbahnhof-Schlachthausgasse-Erdberg, die unterirdische Straßenbahn am Südgürtel. Nun wurden aber auch diese Pläne aus Kostengründen verworfen. Als die Planungsarbeiten für das engere U-Bahn-Grundnetz begannen, gab es also keine Linie U5 mehr. Dennoch wird es Teile der U5 geben. Der Endausbau der U2 wird aus Ästen der ursprünglich geplanten Linien U2 und U5 bestehen. Die ursprüngliche Linie U5 hat somit das ironische Schicksal, gebaut zu werden, aber nicht auf dem Liniennetzplan aufzuscheinen. Die U-Bahn-Nummern folgen übrigens dem Nummerierungsschema der Straßenbahn, gegen den Uhrzeigersinn, im Süden beginnend. Da es sich, im Gegensatz zu den Straßenradialen, um Durchmesserlinien handelt, wirkt die Nummerierung relativ willkürlich. Wie heißt es so schön? Warad ned Wean, waun ned duat, wo ka Gfrett is, ans wuat.


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