Die Wiege des Stimmzettels

Special | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Die Stimmzettel für die Wiener Gemeinderatswahl werden von der Druckerei Wutzl gedruckt. Wir sprachen mit der Geschäftsführerin Brigitta Franz

Seit wann gibt es Wutzl?

Brigitta Franz: Mein Vater hat die Druckerei 1956 gegründet. 1984 habe ich sie übernommen, zwei Jahre später kam meine Schwester ins Unternehmen.

Die Druckmaschinen von Heidelberger sind seit den 50er-Jahren im Einsatz. Wie unterscheiden sich die Druckverfahren von damals zu heute?

Brigitta Franz: Damals druckte man mit Druckformen mit Bleisatz. Heute wird im Offsetdruck eine Druckplatte aus Aluminium verwendet. Der Text wird am PC hergestellt und direkt auf die Druckplatte belichtet. Es geht wesentlich schneller und die Qualität ist stark verbessert.

Wie verlief der Druck eines Stimmzettels damals?

Brigitta Franz: Der Text wurde auf einer Setzmaschine zeilenweise in Blei gegossen und dann mit Blindmaterial zu einer Druckform zusammengestellt. Es ist ein Hochdruckverfahren: Die erhabenen Teile eines Druckstocks für die Buchdruckmaschine wurden eingefärbt, das Papier wurde von der Druckmaschine angepresst. Alles sehr aufwendig, und vor allem war das Material sehr schwer.

Bei den Druckern herrscht der Brauch des „Gautschen“ – was geschieht dabeit?

Brigitta Franz: Gautschen ist ein alter Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung in einem Wassertrog untergetaucht oder mit einem Schwamm übergossen wird. Wichtig ist, dass man anständig nass wird. Das Gautschen wird als Symbol für das Abwaschen der Sünden aus der Lehrzeit betrachtet.


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