Klingende Bilder

Special | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Die Festivalausstellung Notation zeigt, wie die Komponisten der Moderne zu grafischen Künstlern wurden

Vorschau: Carsten Fastner

Wie schreibt man etwas so Ungreifbares wie Musik auf? Diese nur scheinbar banale Frage beschäftigt die Komponisten des Abendlandes schon seit der Antike. Und es dauerte lange, bis zur Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, ehe sich jene klassische Notenschrift herauszubilden begann, die für die kommenden Jahrhunderte als probates System zur Verschriftlichung von Klängen taugen sollte.

Doch dann kam die Moderne und beließ, wie in aller Kunst, auch in der Musik keinen Stein auf dem anderen. Die Komponisten erweiterten ihre Ausdrucksmittel, entwickelten neue Interpretationsvorstellungen, interessierten sich für bislang unbeachtet gebliebene Aspekte, veränderten das Verständnis von Musik – und brauchten dafür eine neue Schrift.

Speziell nach 1945 kam es zu radikalen Weiterentwicklungen der tradierten Notation, aber auch zu grundlegenden, individuell verschiedenen Neuansätzen. Morton Feldman, John Cage und Earle Brown in den USA, Roman Haubenstock-Ramati und Anestis Logothetis in Österreich, Karlheinz Stockhausen in Deutschland, Sylvano Bussotti in Italien – sie waren, weitgehend unabhängig voneinander, die Pioniere neuer Notationssysteme.

Ihre Partituren versahen sie mit Zeichen, Bildern, Farben, verbalen Anweisungen, um improvisatorische und aleatorische Elemente, neue Klangcharaktere und Geräusche in die Musik einfließen lassen zu können.

Einige davon zeigt nun die Wien-Modern-Ausstellung „Notation“, kuratiert von der Musikwissenschaftlerin Susana Zapke. Und führt vor, wie manche Tonkünstler des 20. Jahrhunderts – gleichsam nebenbei – auch zu grafischen Künstlern wurden.

Notation: 31.10. bis 14.11. in der Kunsthalle Wien Project Space. Eröffnung: 30.10., 18 Uhr


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