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Ostrowskis Hommage an die Oma:, ,... Elfriede Ott"

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Im Filmtitel klingt der Synchrontitel eines Kinoulks der Zuckerbrüder an (in dem "Mrs. Stone" entführt wurde), im Intro der Beginn des Austrochaoscomedyklassikers "Exit" (nun mit Uhrturm statt Stephansdom im Panorama). Das ist vielleicht so unbeabsichtigt wie "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott". Programmatisch aber ist, wem diese Klamotte aus dem Kreativbiotop des Grazer Theaters im Bahnhof ganz direkt Tribut zollt: Mit einer Retro-Geste, die weit hinter Hader-Düringer-Dorfer zurückweist (und mit einem Touch Franz Antel der mittleren Periode), huldigt Co-Star/Co-Autor Michael Ostrowski ostentativ einer Generation von Komödienbühnentieren, für die "die Ott" ikonisch ist. In ihrer ersten Kinohauptrolle spielt die 85-Jährige sich selbst erwartungsgemäß nasal und fulminant, also vielversprechend.

Die Story lässt Raum für Schreiduell, Slapstick und Massencouplet, für Schmähs mit Kiffen, Popoabszess und kesser Krankenschwester, für schwächelnde Ganovenplots sowie verkultungsaffine Kochrezepte und Wortwitze. Wobei: Ein "Ottpourri" gab's schon als Ott-Hitkompilation 1975, die Phrase "Du Idi!" bereits in "Contact High". Der Vergleich liegt nah: Forcierten letztere und andere Komödien, an denen Ostrowski in Michael Glawoggers Regie mitwirkte, den Irrwitz, so inszeniert Andreas Prochaska "Elfriede Ott" pragmatisch auf Normaltempo und -turbulenz hin, bringt viel abseitiges Graz ins Bild und nutzt den Soundtrack als Austrotalenteshowcase. Und das männliche Hauptdarstellerduo (Andreas Kiendl als zweiter Loser/Entführer) ist so lustig wie fesch. 2060 wird es wohl eine Retrocomedy über "Die absichtliche Entführung des Herrn Michael Ostrowski" geben.

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