Hörbuch der Stunde

Selbstlob im Dienste eines moralischen Werks

Lexikon | Ulrich Rüdenauer | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Hanns Zischler sei der ideale Sprecher literarischer Hörbücher, meinte ein Rundfunkdramaturg einmal: "Er ist einer der wenigen Schauspieler, die auch verstehen, was sie vorlesen." Zischler ist ein Homme de Lettre, einer, der in der Literatur ganz zu Hause ist, Essays verfasst und Bücher über geschätzte Autoren wie Kafka oder Joyce hat. In der Verfilmung und der Hörspielproduktion von Thomas Manns "Doktor Faustus" gab er den Serenius Zeitblom. Nun leiht er dem Autor höchstpersönlich seine Stimme, liest Ausschnitte aus dessen Tagebüchern, die von Hermann Kurzke zusammengestellt wurden und selbst in dieser Auswahledition noch 11 CDs umfassen - ergänzt um ein Feature über den Literaturnobelpreisträger.

Zischler spricht mit dieser herrlich sonoren Gelassenheit, die manchmal ins Melancholische hinüberspielt; und mit einer gewissen Würde, die in Manns Sätzen stets auch in immense Eitelkeit umzukippen droht.

Die Tagebücher Thomas Manns bieten kaum Einblick in die Werkstatt des Künstlers,


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