Widerspenstig und dennoch massenkompatibel

Steiermark | Michael Thurm | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Graz entdeckt die Schweizer Sängerin Sophie Hunger

Der kleine Saal im Grazer Orpheum, das "Orpheum extra", ist ein guter Ort für unbekannte, bisweilen unterschätzte Künstler. Vor allem auch für guten Jazz, dem das große Publikum (noch) fehlt. Dass auch die Schweizerin Sophie Hunger in dieser fast schon privaten Atmosphäre auftritt, ist ein Geschenk für all jene, die eine Karte ergattern. Denn in ihrer Heimat ist die 27-Jährige längst ein Popstar, darf man wohl sagen, nachdem sie mit ihrem letzten Album "Monday's Ghost" für 46 Wochen auf Platz eins der Hitliste stand und es im Rolling Stone-Magazin unter die Top Ten der Newcomer 2009 schaffte. In Österreich ist sie hingegen kaum bekannt

Mit ihrem aktuellen Album "1983" könnte sich das ändern. Nach Auftritten in Salzburg, Linz und Wien kommt sie am 9. Oktober nach Graz. Das Publikum erwartet eine Mischung aus Pop, Jazz und Folk auf Deutsch, Englisch, Französisch und hoffentlich auch auf Schwyzerdütsch. Denn wenn Sophie Hunger, eigentlich Emilie Jeanne-Sophie Welti Hunger, in Mundart singt, werden ihre Lieder noch eindringlicher. Potenzierte Melancholie, passend für einen bis jetzt grauen Herbst.

Hunger ist merkwürdig massenkompatibel, das bringt der Pop mit sich, und bleibt trotzdem speziell. Vielleicht ist es das typisch Schweizerische, das immer ein wenig widerspenstig ist und sich nicht anpassen will. Vielleicht ist es die Sorglosigkeit, mit der die Diplomatentochter durchs Leben gehen kann. Vielleicht gibt es kommenden Samstag eine Antwort auf diese Fragen. Egal in welcher Sprache.

Orpheum, Graz, Sa 19.30


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