Kommentar

Cyberattacke, hä? Wir brauchen Technikfreaks als Politiker

Rechter Rand

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Was feiern die Amerikaner im Oktober? Halloween? Den Start der Football-Saison? Nein, neuerdings zelebrieren sie den "National Cybersecurity Awareness Month". Den hat Barack Obama ausgerufen. Der US-Präsident will seine Bevölkerung darauf hinweisen, wie wichtig der Schutz der eigenen Daten vor fremden Blicken sei. "Dieselbe Technologie, die uns neue Möglichkeiten für Wirtschaftswachstum und freien Austausch von Information mit der gesamten Welt verschafft, sorgt auch für neue Bedrohungen", schreibt er.

Zyniker könnten sagen, dass Obama nicht nur der Oberbefehlshaber der USA ist, sondern auch ihr oberster Geek. Doch das ist zeitgemäß. Es braucht Politiker, die die Gefahr von Cyberattacken verstehen. Sie sind längst nicht mehr Science-Fiction, sondern Realität. Auch hierzulande.

Das österreichische Außenamt wurde gehackt. Die Presse fand heraus, dass im September eine schwerwiegende Attacke auf das Ministerium stattfand. Die Hacker, womöglich handelt es sich sogar um Spione aus China, wollten sich vertrauliche Dokumente des Staates Österreich aneignen. Wie erfolgreich die Angreifer waren und welche Dateien sie suchten, will das Außenamt nicht mitteilen und hält sich bedeckt.

Es ist nachvollziehbar, dass die Ministeriumsbeamten darüber lieber schweigen. Nur wo bleibt der öffentliche Aufschrei, die politische Debatte oder wenigstens die Presseaussendung der Opposition? Die Bürger vertrauen dem Staat ihre Information an, damit dieser sie beschützt. Doch dieses Thema ist noch nicht ganz in der Politik angekommen. Schade, dass Obama dem österreichischen Nationalrat keinen "Cybersecurity Awareness Month" anordnen kann.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige