Am Apparat

Warum hat im "Woman" die FPÖ keinen Platz, Frau Frank?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Keine blauen Homestorys, keine blauen Politikerinnen-Porträts, keine blauen Interviews mehr. Das Frauenmagazin Woman hat die FPÖvon ihren Seiten verbannt. Chefredakteurin Euke Frank erklärt, warum.

Was hat den Bann gegen Blau ausgelöst?

Ich hatte immer schon eine Abneigung gegen alles, wofür die FPÖ steht. Als Barbara Rosenkranz dann Tage brauchte, um herauszufinden, ob sie für oder gegen das Verbotsgesetz ist, wurde mir klar, die kommt bei uns nicht vor. Inzwischen habe ich mir das vom Herausgeber auch formal absegnen lassen. Seitdem gab es keine einzige FPÖ-Geschichte.

Vermissen die Leserinnen etwas?

Eine Person schrieb, sie findet es unfair. Der Rest reagierte positiv. Von der FPÖ habe ich noch keine offizielle Stellungnahme. Es wäre aber auch extrem ungeschickt, jetzt beleidigt anzurufen.

Die deutsche Frauenzeitschrift Brigitte wirbt am Cover damit, dass sie "ohne Models" ist. Kommt Woman jetzt mit dem Zusatz "ohne FPÖ"?

Nein, ich will damit ja kein Geschäft machen. Es ist einfach Blattlinie.

Lässt sich das durchhalten? 2013 stehen Nationalratswahlen an.

Solange ich Chefredakteurin bin, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich das nicht ändert. Dass Herr Strache für die freien Frauen ist, finde ich nur lachhaft und peinlich. Die Verschleierungsdebatte gehört differenzierter geführt. Schleier einfach runterreißen ist keine Lösung. Falls sich die FPÖ komplett ändert, werde ich neu nachdenken.

Ist das Ihre Reaktion auf die Kritik, dass Medien, auch wenn sie kritisch berichten, letztlich der FPÖ eine Plattform geben?

Ja. Das wurde News in den 90er-Jahren vorgeworfen. Ich habe lange dort gearbeitet. Um dieses gebetsmühlenartige Wiederkäuen der FPÖ-Propaganda, auch wenn es kritisch passiert, kommen die Tageszeitungen vermutlich nicht herum. Woman nimmt sich die Freiheit und spielt nicht mit.

Interview: Barbara Tóth


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