Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Julia Prummer | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Die Gene des Schnitzels und Köpfe vermessen fürs Wiener Blut

Wer gerne Schnitzel isst, Melange trinkt und Karl Moik liebt, hat das Zeug zum geprüften Österreicher. Das zertifizierte "Laboratorium für Austrologie" testete die Bevölkerung am Samstag auf ihre Volkszugehörigkeit: Da wurden Köpfe vermessen, Speichelproben entnommen und Fragebögen beantwortet. Das Ösi-Gen sei wissenschaftlich nachweisbar. Wer durchfiel, für den gab es einen Button mit der Aufschrift "Ausländer - Danke, dass ich bleiben darf".

Die Reaktionen der Teilnehmer am Wallensteinplatz fielen unterschiedlich aus. Manche freuten sich, endlich Gewissheit über ihre österreichischen Gene zu haben, andere störte die rassistische Aktion. Was die meisten nicht sehen wollten, war das unsichtbare Theater: Es handelte sich um eine künstlerische Intervention der Performancegruppe "Stahlglatt und Blumeenweich" vor der Wien-Wahl. "Dass die Leute den Test nicht anzweifeln, zeigt, wie tief das politische Klima ist", sagt ein Aktivist.


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