Mediaforschung

Wieso wirbt Stroh-Rum mit Ausländern, Herr Bursteiner?

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Inländer liebt Ausländer" steht auf dem Plakat zu lesen. Links unten prangt die bauchige, braune Stroh-Rum-Flasche, rechts davon der Slogan "Stroh. The Spirit of Austria". Zu sehen ist die neue Kampagne ab 1. Oktober in Tageszeitungen sowie in biber, dem transkulturellen Wien-Magazin. Aber nicht nur während des Wahlkampfs, sondern auch danach soll mit diesem Slogan für den hochprozentigen Stroh-Rum geworben werden.

Fabian Burstein, der als selbstständiger Creative Director hinter Konzept und Text der Kampagne steckt, erklärt die Entstehungsgeschichte des Slogans so: "Ich wollte schon länger mit dem traditionsreichen, aber missverständlichen Begriff "Inländer-Rum" spielen", sagt der Werber. Da sei der brachiale Wien-Wahlkampf genau recht gekommen. Die neue Werbelinie sei nämlich ein "Bekenntnis zu Internationalität und Weltoffenheit".

Ganz so neu ist der Inländer-Ausländer-Schmäh aber nicht. Schon der Künstler Willi Resetarits verabschiedete sich als Kurt Ostbahn gerne mit dem Sager "Lieber Inländer Rum als Ausländer raus" von der Bühne.

Warum das Klagenfurter Unternehmen mit mehr als 170-jähriger Tradition Ja zu Ausländern sagt, ist ebenfalls einleuchtend. Zwei Drittel des Umsatzes - der jährlich rund 6,5 Millionen Flaschen ausmacht - werden im Ausland erwirtschaftet, und zwar in weltweit 40 Ländern.

Für den 28-jährigen Creative Director hat die Kampagne aber eine tiefere Bedeutung: "Wie die Diskussion um das 'Ausländer-Thema' in Österreich geführt wird, hat uns Österreichern nicht gerade positive Aufmerksamkeit gebracht. Es ist sinnvoll, als international tätiges Unternehmen ein Zeichen zu setzen." Denn der "Spirit of Austria" sei nicht nur Berge, Jagatee und Hüttenzauber, "sondern auch eine weltoffene und international orientierte Gesellschaft."


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