Rauer Rücken im Rampenlicht

Feuilleton | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Das Belvedere zeigt Auguste Rodin als Übervater der Wiener Moderne

Ausstellungskritik: Matthias Dusini

Das Museum Belvedere verfügt über eine ansehnliche Sammlung von Werken des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Nun sind dort die erstaunlichen Erkenntnisse zu sehen, die der Kunsthistoriker Stephan Koja über die Beziehung Rodins zur Wiener Avantgarde um 1900 zusammengetragen hat.

Rodin steht für Herauslösung der Skulptur aus ihrem architektonischen Verwendungszusammenhang. "Die Bürger von Calais", so der Titel einer berühmten Figurengruppe, sollten dem Betrachter ohne Sockel von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Seine "Eva" ist kein Paradiesgirl, sondern eine verängstigte, wie ins Rampenlicht gedrängte Frau. Und seit Rodin darf man Figuren machen, die keine Arme und Beine haben; man nennt es Torso.

Die Ausstellung beginnt mit einem Ensemble, das der IX. Secessionsausstellung 1901 nachempfunden ist. Rodin war darin mit Hauptwerken vertreten. Bereits Jahre vorher hatten


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