Besser als kellnern

Feuilleton | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Prostitution muss kein Drama sein: "Tag und Nacht" von Sabine Derflinger

Filmkritik: Joachim Schätz

Ein Wiener Escortservice nimmt eine neue Mitarbeiterin auf. Der Betreiber fragt Angaben zur Person ab: Lieblingsblumen, Lieblingsgetränk, Aufenthaltsbewilligung. Das weitere Geschick der jungen Migrantin wird "Tag und Nacht" nur noch aus dem Augenwinkel beobachten, im Wartezimmer hat derweilen schon eine der beiden Protagonistinnen Platz genommen: Die angehende Schauspielerin Lea (Anna Rot) haben nicht ökonomische Notwendigkeiten zur Sexarbeit geführt, sondern eine Mischung aus Neugier, Abenteuerlust und vagem Protest gegen die Welt der Tüchtigen und Angepassten. Besser bezahlt als Kellnern ist der Job außerdem.

Schon mit diesem frühen Wechsel von einer Bewerberin zur anderen signalisieren Sabine Derflinger (Regie, Drehbuch) und Eva Testor (Drehbuch, Kamera) unmissverständlich, dass sie von einer Ausnahmesituation erzählen, nicht vom gesellschaftlichen Regelfall: Die extrovertierte


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