Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Am Montag ist die Arbeit schwer

Graz, das musste mal gesagt werden, ist auch und vor allem: eine Stadt für Mütter. Jetzt nicht nur für die Mütter von Kleinkindern, die an den Vormittagen in den Cafés herumlungern und Memphis light rauchen, sondern vor allem für Mütter, die auf Besuch da sind. Mal schauen, wie das werktätige Kind so tut. Sie finden hier sowohl Kultur wie auch Freizeitangebote vor und können sich gut vorstellen, hier auch bald mal das eine oder andere Enkelkind zu haben, was aber in den meisten Fällen Utopie bleibt. Am Sonntag übrigens war (u.a.) bei den Drei Goldenen Kugeln der Tag der deutschen Einheit, es war sehr familiär, auch wenn da und dort ein paar Tränen zerdrückt wurden wegen damals. Aber die Wäscheleine am Mariahilferplatz war aus irgendeinem Grund ein Trost. Vielleicht weil sie einen Hauch von Plattenbau transportiert, aber trotzdem schön bunt ist, oder auch, weil sie Utopie und Monument heißt. Generell sollten Wäscheleinen wieder mehr verwendet werden, erstens wegen der Nostalgie, zweitens weil Trockner unverantwortlich viel Energie verbrauchen. In der postsozialistischen Ära allerdings gibt es zahlreiche Vermieter, die das Aufhängen von Unterwäsche im sichtbaren Bereich von vornherein untersagen, wogegen sich die Einzelnen auch juristisch nur schwer zur Wehr setzen können. Man kann sich (nur sonntags) allerdings auch einfach zur steinernen Wehr setzen und dem legendären Entenrennen auf der Sulm zuschauen.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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