Phettbergs Predigtdienst

Es gibt so wenig Fisolen und Linsen in der Politik

Kolumnen | aus FALTER 40/10 vom 06.10.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kardinal König und DDr. Günther Nenning zeugten mich, das Sperma waren ihre Worte! Ich las alle Zeitungen, deren ich habhaft werden konnte. Nun verdumme ich durch Unmengen an Kartoffeln. König sagte, er äße nie Kartoffeln, Kartoffeln lasse er den anderen. Das ist Sperma, nach dem ich mein Leben lang lechzte. Und ich war immer gierig nach Linsen, Fisolen und Bohnen. Heute gab's wieder einmal Linsen. Ich könnte auch das "Essen auf Rädern" kriegen, aber dann geh ich gar nimmer und bin tot. Also, was soll ich tun, als täglich Kartoffeln mit grünem Salat essen, oder wieder dick werden und schneller tot sein? Dieser tägliche Essensholkilometer ist lebensnotwendig! Ich kauf mir halt größere Lee-Jeans. Es schaut mich eh niemand an. Im Grab noch weniger. Die Made im Speck wird auch blad. Werd ich nun zum vierten Male blad?

Die grüne Partei hab ich Gott sei Dank schon für Wien gewählt, aber das gestrige Interview mit der Wiener Grünen-Sprechin war nicht das Meine. Politik ist nicht das Meine, Religion ist nicht das Meine. Was ist das Meine? So wie Kartoffeln verblöden, so verblödet der Umgang mit Journalistys Politikys! Ich wählte grün, weil Univ.-Prof. VAN DER BELLEN kandidiert. Es gibt so wenig Fisolen und Linsen in der Politik. Der großartige Van der Bellen hat eben alles, was nur nötig war, um klug zu werden. Und ich hatte nur Hauptschule und Charisma. Wenn ich vorgeführt werde, steh ich nun erbärmlich da, zu dumm, mich klug zu ernähren.

Die grüne Bewegung ist generell nun die meine. Allein, weil sie immer weniger Stimmen kriegen wird. Da bin ich ein Automat beim Wählen: Wenn der Wiener faschistoide Zug loszieht, bin ich immer anderer Meinung, automatisch. Und wenn Zeitungen ins Mehrheitsfahrwasser wollen, höre ich nur mehr Ö1.

Oft kann ich nicht einmal mehr des Falter Titelbild enträtseln, so schwach ist mein Hirn. Doch so wie ich das tägliche Kilometergehen als lebensnotwendig erachte, danke ich dem Falter, dass sie mich radebrechen lassen. Vielleicht sollte es nun "Phettbergs RADEBRUCH" lauten? Im 20. Jahr läuft mein Radebruch schon. Predigtdiensten heißt generell rade-ge-brochen. Allein wer den Mut aufbringt, einen Satz zu schreiben ...

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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