Kritik

Virtueller Wellengang und endlose Raumfluchten

Lexikon | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Auch wenn der regelmäßige Umzug zum nomadischen Konzept des Kunstvereins das weisse haus gehört, schmerzt die Übersiedlung von der Innenstadt in ein entferntes Eck von Margareten den Besucher doch sehr. Rein von den Ausstellungsräumen hat sich aber wenig verändert. Wieder hängt die Kunst in ehemaligen Büros, dieses Mal Amtsstuben, deren auffällige Steckdosenschienen nicht entfernt wurden.

Aktuell sind die auf junge Malerei konzentrierte Gruppenschau "Zwischen Innen und Außen" und eine Einzelschau der Künstlerin Almut Rink zu sehen, die sich sehr gut ergänzen. Analoge und digitale Versionen von Raum stehen einander gegenüber, wobei die Übergänge jedoch fließend sind. In ihrer Videoinstallation "Foamywater - Ground Moving Makes the Sea Look Deeper" führt Rink den Betrachter durch eine 3-D-Software, die das Design von Wasseroberflächen ermöglicht. Mit feinem Humor macht die 1971 geborene Künstlerin in ihrer gesprochenen Bedienungsanleitung deutlich, wie eingeschränkt diese Art von visueller "Naturproduktion" die Sehnsucht nach Weite erfüllt.

Geometrische Achsen und Erinnerungsmomente lässt auch der Maler Christian Bazant-Hegemark in seinen großen Tableaus aufeinander stoßen. Dem Künstler ist malerische Perfektion weniger wichtig als seinen Kollegen, deren Raumkonzepte um Anonymität und Leere kreisen. Die Gemälde von Julia Rothmund und Sonia Knopp mahnen etwa an die Schwemme menschenleerer Architekturfotografie, die von der Becher-Schule ausgelöst wurde. Der stärkste Beitrag der Gruppenschau stammt von der Portugiesin Isabel Cordeiro, die ihre in Mischtechnik produzierten Gemälde auch am Computer entwirft. Überzeugend auch ihre kleinen Plastiken, die eine Synthese von virtuellem und realem Raum darzustellen versuchen. NS

das weisse haus, bis 23.10.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige