Kritik

Kosmische Strahlung auf flackernd nackter Haut

Lexikon | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Sound und Bild wollen nicht so recht zueinanderpassen: Wer die Ausstellung des US-Filmemachers und Künstlers Bruce Conner in der Kunsthalle betritt, hört schon den hinreißenden Soul-Song "What'd I Say" von Ray Charles, sieht aber meditative Tuschezeichnungen, die in etwa das Gegenteil dieser heißen Rhythmen verströmen. Die Schau "Bruce Conner. Die 70er-Jahre" zerbricht in zwei Teile: Zu Beginn sind strukturelle Papierarbeiten und Malereien in Schwarzweiß zu sehen, die an asiatische Kunst wie Mandalas erinnern; im hinteren Abschnitt laufen Filmarbeiten und werden die originellen Kampagnen präsentiert, für die Conner zu seiner Zeit Bekanntheit erlangte. Der Künstler ist aber bis heute doch so ein Geheimtipp, dass es höchst zweifelhaft erscheint, aus seinem bildnerischen Werk nur eine Dekade zu zeigen. Der Verdacht liegt nahe, dass des Künstlers frühe Skulpturen und Assemblagen einfach nicht als Leihgaben zu haben waren.

Conner schnitt 1958 aus Found Footage den legendären Kurzfilm "A Movie", der heute als Vorläufer des Videoclips gilt und auch bei der parallel laufenden Schau im Filmmuseum zu sehen ist. In der Kunsthalle setzt mit einem Film der spannendere Ausstellungsteil ein: In "Marilyn Five Times" strapaziert Conner Differenz und Wiederholung, wenn er eine erotische Doppelgängerin der Schauspielerin strippen lässt. In dem furiosen "Cosmic Ray" (1961) wird Archivmaterial mit selbstgedrehten Frauenbildern gemixt. Großartig, wie hier grafische Elemente, Nachrichtenbilder und tanzende Körper zu Ray Charles' Hit getaktet wurden. Wie viel beißenden Humor Conner zu den Themen künstlerische Autorenschaft und politische Repräsentation mobilisierte, beweist der sehenswerte Raum mit Arbeiten, Postern und Materialien. NS

Kunsthalle, bis 30.1.; Filmmuseum,14. bis 20.10.


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