Neu im Kino

"Piranha": Fleischbeschau mit Fischfütterung

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Ehrlicher (lies: vulgärer) ist dieses Jahr kein anderer Film mit der Reizmechanik des 3-D-Kinos umgegangen: In Alexandre Ajas Badehorror-Remake "Piranha 3D" werden zuerst junge Unterwäschekatalogschönheiten mit und ohne Bikini stereoskopisch vermessen, dann wird ihre Verstümmelung durch prähistorische Raubfische extraplastisch ins Bild gesetzt. Von großen Teilen der US-Kritik wurde das als selbstironischer, outrierter Trash goutiert.

Trotz der offensichtlichen Lust am Vorführen hirntoter Bubenfiguren (over the top als Internet-Fleischbeschau-Impresario: Jerry O'Connell) und Erfinden haarsträubender Peinigungen (Skalpierung durch Schiffsschraube!) ist das Vergnügen aber ein schales: Wo Joe Dante in seinem Exploitation-Original von 1978 mit leichter Hand und ikonoklastischem Vergnügen ein Touristenparadies zerstörte, da wirkt Ajas Massaker zu pedantisch blutrünstig zum Kichern, seine Skizze eines Badeteichs zu Spring Break lieblos. Strafdienst als örtlicher Sheriff macht niemand Geringeres als Elisabeth Shue; Gaststars wie Richard Dreyfuss, Christopher Lloyd und Eli Roth sorgen für dringend benötigte Farbkleckse.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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