Neu im Kino

Halb so schlimm: "Goethe!", ein deutsches Biopic

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Vorab klingt alles schrecklich. Nicht nur "Goethe!", der Titel mit dem Rufzeichen, auch der klebrige Soundtrack, der einem von der sepiafarbenen Homepage entgegenschnulzt, und die Tatsache, dass Michael "Bully" Herbig bei diesem groß budgetierten Biopic der Warner Germany als Co-Produzent fungiert.Dann aber ist alles halb so schlimm. Die vorwiegend ungeschminkt agierenden Darsteller des hier noch jugendlich stürmenden und drängenden Goethe (Alexander Fehling) und seiner ersten großen Liebe, Charlotte Buff (Miriam Stein), sind schlicht überzeugend. Selbst der erste Kuss fällt völlig unkitschig, ja geradezu rührend aus. Die fürs historische Genre so typischen Weichzeichner-Sexszenen fehlen, dafür sucht Regisseur und Drehbuchautor Philipp Stölzl das authentische 18. Jh. in Kot und Schlamm, durch den lederne Stiefel stapfen und Kutschenräder poltern. Und die Matte-Hinterglasgemälde, die das historische Wetzlar vor der Kameralinse wiederauferstehen lassen, erfreuen das Auge auf angenehm altmodische Weise.

Moritz Bleibtreu, mit überkronten Schneidezähnen und Nickelbrille hier in der Rolle von Goethes Vorgesetztem bei Gericht und Konkurrenten um die Liebe, setzt seinen Weg als Maskottchen des deutschen Historienkinos fort. Gerade noch der Andreas Baader in Eichingers Großproduktion "Der Baader-Meinhof-Komplex", dann der Goebbels in Roehlers "Jud Süß", duelliert sich Bleibtreu diesmal im Morgengrauen mit dem zittrigen Johann Wolfgang. Ein Gesicht auf der Reise durch die Jahrhunderte: Allmählich mausert er sich zur Real-Life-Version des weißbärtigen Maestro aus der Kinderserie "Es war einmal der Mensch": Nicht die alterslose Julia Roberts ist es, die dem Kalender ein Schnippchen schlägt. Bleibtreu heißt der Mann der Dauer: "Tausend Jahre sind ein Tag."

Ab Fr in den Kinos


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