Ohren auf

Eine coole Combo mit Klarinette und Cello

Sammelkritik

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Saxofone treten ganz gern im Quartett auf, von Klarinetten lässt sich das nicht behaupten. Dabei hören sich zwei Klarinetten, ein Bassetthorn (entspricht der Tenorlage) und eine Bassklarinette verdammt gut an, wie die Vienna Clarinet Connection beweist, die den warmen Ensembleklang mit Schwung und Schmelz zu großer Wirkung verhilft. Allerdings scheint man sich im Ensemble (das durch Keyboard und Schlagzeug zum Sextett erweitert wird) nicht ganz im Klaren darüber zu sein, wohin die Reise gehen soll: "Electric Woods" (Cracked Anegg) treibt den Eklektizismus zwischen Jazz, Softpop, Klezmer, Tango und Funk etwas gar weit, wobei man eine unheilvolle Neigung zu käsigen Keyboardklängen und spacigen Soundeffekten an den Tag legt, die in etwa so überzeugend sind wie das Chet-Baker-Quartett mit Moog-Synthesizer.

Ebenfalls ungewöhnlich und überzeugend ist die Kombination von Bassklarinette und Hang - wobei Letztere wie ein eingedepschter Wok aussieht und wie eine Steel-Drum klingt. Das passt, wie Christoph Pepe Auer und Manu Delago aka Living Room beweisen gerade in seiner weichen Perkussivität gut zusammen; das die Beatles und russische Weisen miteinschließende Spektrum von "Colouring Book" (Session Work) wirkt mit seinen minimalistischen Patterns auf Dauer aber etwas selbstgenügsam.

Warum ist eigentlich noch niemand (?) darauf gekommen, die Bassklarinette mit zwei Celli und einem Schlagzeug zusammenzuspannen? Das Ulrich Drechsler Cello Quartett legt mit "Concinnity" (Enja) den überzeugenden Beweis vor, dass das eine super Idee ist: Bassklarinette und Cello sind nicht nur als Klangkombination betörend, sondern eröffnen ein weites Feld der Interaktionsmöglichkeiten - je nachdem, wer die "Basslinie" zupft, streicht oder bläst, wer sich zur Rhythmusgruppe zusammenfindet und wer sich um die Melodie kümmert ? Vom intimen Chamberjazz über swingende Folklore über Barock-'n'-Roll-Elemente bis zu freier Improvisation geht hier ziemlich viel und nichts daneben.


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