Theater Kritik

Homers Odyssee - zwischen Ithaka und Weltraum

Steiermark | Teresa Falk | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

In Homers Odyssee geht es bekanntlich turbulent zu. Und zugleich mag der verstaubte Charme endloser Aufzählungen von Banketten und Bedrohungen manchem ehemaligen Gymnasiasten ein Gräuel sein. Jürgen Gerger versucht nun in seiner Inszenierung "Homers Odyssee" dennoch nicht, die ursprüngliche Handlung zu abstrahieren, setzt dafür aber ganz auf Spielfreude und den Witz seiner Darsteller. Die Besetzung ist tatsächlich gelungen, schrammt man auch hie und da etwas am Klaumaukigen vorbei. Nicht unmittelbar thematisiert, sind hier Bedingungen und Möglichkeiten von Off-Theater deutlich zu erleben. Funktionieren aber auch - so wird etwa die Bühne bestimmt von weißen, gespannten Segeln, ein so schlichtes wie poetisches Bild von Christine Helena Romirer. Die Loslösung vom allzu historischen Kontext gelingt Claudia Holzer, deren Musik und Sounddesign zuweilen mehr an Odysseen im Weltraum moderner SF-Serien erinnern.

Jürgen Gerger, Hauptdarsteller Christian Ruck und das Ensemble - die gemeinsam die Dramaturgie erarbeitet haben und sich Gruppe Dagmar nennen - entwickeln als Team den Stoff klar als Lustspiel, mit dem sich im Olymp liebenswert schrullige Götter, die durchwegs mit Frauen besetzt sind, die Zeit vertreiben. Die Darstellerinnen geben auch die "Freier", die während Odysseus' Irrfahrt Ehefrau und Heimat belagern, verborgen hinter Masken mit einem gewissen Umzugskarton-Charme. Als Grande Dame tritt Eva Hofer als treue Penelope im blauen Morgenrock auf. Wenn der Totgesagte heimkehrt, können auch Vater und Sohn Telemach triumphieren. Da fallen dann im Überschwang Morgenrock und Lendenschurz. Das Ende aber gehört ganz den gestärkten Kriegern.

TTZ, Fr, Sa 20.00


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