Kunst Kritik

Maschinen als Spiegel des Menschseins

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Von einer Ausstellung, die "Roboterträume" heißt, ist eigentlich nur das Schlimmste zu erwarten: durch den Raum eiernde, surrend ungelenke Sprösslinge, die ihren stolzen Erzeugern Freudentränen in die Augen treiben, so gescheit und grazil sie fast schon sind. Glücklicherweise geht das Kunsthaus über solche Leistungsschauen weit hinaus. In Koproduktion mit dem Baseler Museum Tinguely und dem steirischen herbst verflicht es künstliche mit künstlerischer Intelligenz. Die Errungenschaften der Robotik werden nicht für sich genommen diskutiert, nicht gegeneinander abgewogen und miteinander verglichen, sondern in Beziehung zum Menschenbild gesetzt, das sie widerspiegeln. Dieses zeigt ein gar nicht sehr sympathisches Wesen, das sich gerne ein willfährig funktionierendes, jederzeit bereites Gegenüber ausdenkt, an welchem ihm außerdem auch noch die Größe seines eigenen stromunabhängigen Geistes klar werden kann.

Dass der Roboter ein treuer Spiegel der menschlichen Seele ist, lässt sich besonders schön in der Collage nachvollziehen, die Virgil Widrich gemeinsam mit Joachim Schätz aus unterschiedlichen Science-Fiction-Szenen zusammengestellt hat, oder in Jon Kesslers Installation "The Prison 2010", die den Besucher in eine Welt vernetzter Endverbraucher versetzt. Dort, wo die Ausstellung einer Hightech-Messe noch am nächsten kommt, in den insektenartigen Maschinchen, die Niki Passath zur gruppendynamischen Selbst- und Fremderkundung aussetzt, erkennt man schnell, dass es wieder nicht um Technik, sondern die narzisstische Empathie des menschlichen Betrachtens geht. Daneben schauen die eingestreuten Werke der tatsächlich noch technikverliebten Robotik- und Computerkunst-Pioniere inzwischen ziemlich alt aus.

Kunsthaus, bis 20.2.2011


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