Kommentar

Nach Mareks Debakel: So wird Josef Pröll niemals Kanzler

Wienwahl

Falter & Meinung | Julia Ortner | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Selbstzweifel sind was für Weicheier, Selbstreflexion ist eine neurotische Störung - denn wir sind die starken Typen hier. Josef Prölls Truppe hat ihren Koalitionspartner SPÖ von Anfang an mit überbordendem Selbstbewusstsein und ruralem Schmäh überfahren. Da haben manche Schwarze schon in der Vorstellung gelebt, sie wären die echten Chefs in der Regierung und nicht dieser konziliante Werner Faymann.

Doch nach dem bürgerlichen Debakel in Wien und der gescheiterten Wende in der Steiermark ist Josef Pröll der Schmäh vergangen. So wird er das lästige Vize vor seinem Titel nie los, so wird er nicht Kanzler. Denn ohne gute Ergebnisse in den Städten kann er mit seiner Partei nicht vorne liegen. Vorbei sind die Zeiten, als die Schwarzen unter ihrem jungen Chef nach jeder Landtagswahl Oberwasser hatten, weil sie, wenn, leichtere Verluste hinnehmen mussten als die SPÖ. Die war immer der Verlierer vom Dienst. Nun muss die Volkspartei erkennen, dass sie gerade in den Städten keinen Fuß mehr auf den Boden kriegt. Im bürgerlichen Graz konnte die rote Konkurrenz kürzlich gut abschneiden, in Wien ging Christine Marek mit ihrem unschlüssigen Law-and-Order-Wahlkampf völlig unter. Pelzmantel und harte Sprüche, damit kann man vielleicht das Land halten, aber nicht den urbanen Raum gewinnen.

Die "Rückeroberung der Städte", wie sie schon Altkanzler Wolfgang Schüssel ausgerufen hatte, bleibt ein frommer Wunsch. Die Frage ist nur, ob die Schwarzen nun aus ihren strategischen Fehlern in Wien lernen. Nur dann könnte Pröll sein erklärtes Ziel, 2013 Faymann zu degradieren, erreichen - ohne sich mit Heinz-Christian Straches blauen Schmuddelkindern abzugeben.


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