Sozial dienen, aber bitte richtig

Falter & Meinung | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Ein Sozialjahr wäre eine großartige Sache - für Junge und Alte, Männer und Frauen, Arbeitslose und Karrieristen

Kommentar: Sibylle Hamann

Es passiert immer wieder, wenn der Abend fortgeschritten und schon mehrere Flaschen leer sind: Irgendwer fängt mit Zivildienstanekdoten an. Wie man im Rettungsauto mit Blaulicht über den Gürtel gedüst ist. Wie man live bei einer Sturzgeburt dabei war. Und was der alte Mann, den man jede Woche zur Dialyse schleppte, von der Ostfront erzählte.

Diese Anekdoten sind zehn, 20 Jahre alt, oft nerven sie auch. Dennoch verraten sie, wie tief sich neun Monate ins Gedächtnis einbrennen können. In manchen sorgsam durchdesignten Berufsbiografien werden sie der einzige Chaosfaktor bleiben. Die einzige Gelegenheit, mit Menschen zusammenzukommen, deren Nähe man sich nie und nimmer selbst ausgesucht hätte, und in Winkel der Gesellschaft zu schauen, die normalerweise versteckt bleiben. In die geschlossenen Anstalten. In den Alltag überforderter Großfamilien.


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