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Bücher, kurz besprochen

Politik | Barbara Blaha | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Es gibt immer eine Alternative

Auf Christian Felber ist Verlass. Im Jahresrhythmus veröffentlicht er Bücher, die die Welt ein wenig besser machen sollen. "Die Gemeinwohl-Ökonomie" baut auf der Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsordnung seiner bisherigen Bücher auf und versucht ein Destillat daraus: ein alternatives Wirtschaftsmodell. Zentrale These ist, dass jene Eigenschaften, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen lassen, wie Vertrauen, Kooperation und Solidarität, in der Wirtschaftswelt ins Gegenteil verkehrt sind. Hier zählen Gier, Konkurrenz und Egoismus. Dies möchte Felber ändern. Er skizziert eine Wirtschaftsordnung, in der das gemeinsame Streben nach dem Gemeinwohl das höchste Ziel allen Wirtschaftens ist. Das Gemeinwohl wird dabei in messbare Größen übersetzt, in die Gemeinwohlbilanz, die die bisherige Bilanz in ihrer Bedeutung ersetzt. Bilanziert wird nach Kriterien der Frauenförderung, Nachhaltigkeit oder Kooperation mit Mitbewerbern. Allerdings: Konkurrenz- und Profitkampf sind keine Frage der Bilanzerstellung, sie sind die Grundlage unseres derzeitigen (änderungsbedürftigen) Wirtschaftssystems. Ob es gelingt, dieses außer Kraft zu setzen, indem man eine Gemeinwohlbilanz einführt, ist fraglich. Felber ist auch diesmal ein lesenswerter Diskussionsimpuls geglückt: Wann, wenn nicht jetzt, soll über eine neue Wirtschaftsordnung diskutiert werden, in der Einkommensungleichheit und mangelnde Wirtschaftsdemokratie beseitigt sind?

Christian Felber: Die Gemeinwohl-Ökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Deuticke, 160 S., ? 15,90


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