Das Werk ist längst vollendet

Feuilleton | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa ist der Retroseligkeit des Vergabekomitees geschuldet

Würdigung: Sigrid Löffler

Gelegentlich werden die Mitglieder der Schwedischen Akademie von Anfällen heftiger Nostalgie heimgesucht. Dann neigen sie, ganz retroselig, dazu, den Literaturnobelpreis wie eine Art Ehren-Oscar mit jahrzehntelanger historischer Verspätung an Autoren zu vergeben, die längst nur noch im Selbstzitat von früheren Großtaten zehren. Autoren wie Doris Lessing (Nobelpreis 2007) oder Harold Pinter (2005). Oder eben Mario Vargas Llosa.

Wie bei der Rhodesierin und dem Engländer gehören auch des Peruaners Meisterwerke den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an. Seit langem produziert Vargas Llosa nur mehr Selbstwiederholungen, indem er im Rückgriff Themen und Techniken seines Frühwerks variiert. Sogar sein ergebenster Bewunderer, Daniel Kehlmann, muss einräumen, dass Vargas Llosa allmählich in die Unterhaltungsliteratur abgeglitten


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