Endlich gibt es Hilfe bei der Erntehilfe: Mundraub fordert "Freies Obst für freie Bürger"

Stadtleben | aus FALTER 41/10 vom 13.10.2010

Mundräuberleiter: Christopher Wurmdobler

Was wir hier machen, ist ganz bestimmt schwer illegal. Deshalb werden wir uns auch hüten, im Falter Tipps und Tricks zu verraten, geschweige denn zum Apfeldiebstahl aufzufordern. Tun wir nicht. Aber. Äpfel haben halt gerade so schön Saison. Und seit einiger Zeit macht nicht nur unter Sparefrohs und Selbstversorgern das Wörtchen "Mundraub" die Runde. Gemeint ist die deutschsprachige Webseite www.mundraub.org, auf der man einer Schatzkarte gleich Google-Maps findet. Fleißige Beobachter haben hier genau und immer aktuell verzeichnet, wo ein Obstbaum nicht abgeerntet wird, weshalb auch immer. Wo in der Natur wilde Früchte wachsen und wo es überhaupt was zum Naschen gibt. Das ganze Land ein Garten Eden? Fast scheint es so.

Die Karte zeigt nicht nur Obstgärten in Deutschland, sondern auch in Österreich, weshalb das Projekt auch für uns interessant wird. So sind für Wien auffällig viele Maulbeerbäume aufgelistet (im Stadtpark zum Beispiel). Aber auch eine "Kirschpflaumenhecke" (?), Apfelbäume oder ein Birnbaum im Prater.

"Wir möchten, dass kein herrenloses Obst mehr am Baum verrottet, und machen deshalb Mundraub salonfähig", schreiben die Initiatoren des Projekts. Nein, auch sie möchten nicht zum Diebstahl animieren. Vielmehr will man die Besitzer der Bäume dazu bringen, diese der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, wenn sie selbst keine Lust aufs Ernten haben.

Mitmachen kann man natürlich auch: indem man Standorte auf der Google-Karte einträgt, im Webjargon sagt man "taggen". Beliebt sind nicht nur Obstbäume, auch Beeren, Kräuter und Nüsse sind verzeichnet. Immerhin werden die Besucher der Homepage gebeten, beim leisesten Zweifel lieber die Finger von fremden Früchten zu lassen. Dass die Mundräuber es ernst meinen und nicht jedes Obst taggen, zeigt sich auf der Wien-Karte: Kein einziger Weingarten ist hier markiert. Sehr brav.


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